ADHS bei Erwachsenen: 18 Anzeichen, Diagnose und Behandlung

27. Jänner 2026
Verfasst von Redaktion rundumsleben24.at

 

Fühlst du dich oft von Alltagsaufgaben überfordert, obwohl du dir größte Mühe gibst, und das Halten von Ordnung in Gedanken und Umgebung scheint unmöglich? Hast du das Gefühl, dein Gehirn arbeitet anders als bei allen um dich herum, was zu Frustration in Beruf und Beziehungen führt? Du bist nicht allein. Für viele Erwachsene sind solche Erfahrungen Alltag, und ihre Ursache kann eine unerkannte ADHS – Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung – sein, die in der Kindheit nicht diagnostiziert wurde. Es handelt sich um eine neuroentwicklungsbedingte Störung, die mit dem Alter nicht verschwindet, sondern nur ihr Erscheinungsbild ändert und sich oft hinter einer Maske von Angst, Depression oder Prokrastination verbirgt.

Inhaltsverzeichnis

Dieser Artikel zielt darauf ab, den umfassendsten und praxisorientiertesten Leitfaden zu ADHS bei Erwachsenen zu schaffen, angepasst an die Gegebenheiten des österreichischen Gesundheitssystems. Schritt für Schritt erläutern wir die 18 Schlüsselsymptome gemäß der DSM-5-Klassifikation, zeigen den Diagnosepfad – vom ASRS-Selbstscreentest bis zum Goldstandard, dem DIVA-5-Interview – auf und beschreiben verfügbare Behandlungsmethoden detailliert, von der Pharmakologie bis zur kognitiv-behavioralen Therapie. Für einen breiteren Überblick über diese Themen kannst du die Ressource der Royal College of Psychiatrists über ADHS bei Erwachsenen aufsuchen.

Der Artikel wurde vom Redaktionsteam von Dobrze żyć entwickelt und fachlich mit einem Psychiater konsultiert, um höchste Qualität und Glaubwürdigkeit der Informationen zu gewährleisten. Im Text findest du außerdem Links zu praktischen Hilfsmitteln, die dich auf das Gespräch mit einem Facharzt vorbereiten. Es ist wichtig, sich ebenfalls mit den aktuellen Termedia klinischen Leitlinien zur Diagnose und Behandlung von ADHS bei Erwachsenen vertraut zu machen.

Vermutest du bei dir ADHS? Es kann hilfreich sein, deine eigenen Beobachtungen zu sammeln und zu strukturieren, bevor du einen Termin vereinbarst.

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Liste von 18 ADHS-Symptomen bei Erwachsenen: Ausführliche Erläuterung mit Beispielen

Die Diagnose von ADHS bei Erwachsenen basiert auf den diagnostischen Kriterien des DSM-5, die 18 Hauptsymptome auflisten, unterteilt in zwei Gruppen: Unaufmerksamkeit sowie Hyperaktivität und Impulsivität. Für eine Diagnose müssen mindestens fünf Symptome aus einer oder beiden Gruppen über mindestens sechs Monate festgestellt werden, die das Leben in mindestens zwei Bereichen – wie Arbeit und Zuhause – erheblich beeinträchtigen. Das DIVA-5-Diagnoseinterview für ADHS bei Erwachsenen ist ein häufig eingesetztes Instrument für eine solche Diagnose in Österreich.

Symptome der Unaufmerksamkeit (9 Symptome)

Diese Symptomgruppe beschreibt Schwierigkeiten mit Konzentration, Organisation und Aufmerksamkeit bei Routinetätigkeiten. Entgegen der landläufigen Meinung können sich Menschen mit ADHS durchaus auf Dinge fokussieren, die sie begeistern – ein Phänomen namens Hyperfokus –, haben aber große Probleme damit, ihre Aufmerksamkeit auf Abruf zu aktivieren.

  • Häufige, unachtsame Fehler.
    • Erklärung: Diese entstehen nicht aus Unwissenheit, sondern aus der Schwierigkeit, die Aufmerksamkeit auf Details zu lenken. Das ADHS-Gehirn ermüdet schnell bei monotonen Tätigkeiten.
    • Beispiele aus dem Wiener Berufsalltag: Eine E-Mail mit Tippfehlern an den Chef senden, Rechenfehler in einer betriebswirtschaftlichen Auswertung übersehen oder einen wichtigen Punkt in einem Vertrag mit einem österreichischen Lieferanten überlesen.
  • Schwierigkeiten, die Aufmerksamkeit bei Aufgaben oder Aktivitäten aufrechtzuerhalten.
    • Erklärung: Die Aufmerksamkeit ist „brüchig“ und lässt sich leicht ablenken, insbesondere während langer Besprechungen oder beim Lesen.
    • Beispiele: Abschweifen der Gedanken während einer Teamsitzung im Grazer Büro, Probleme, einen gesamten Film im Kino ohne Griff zum Handy anzuschauen, wiederholtes Lesen desselben Absatzes in einem Fachbuch.
  • Häufiger Eindruck, dem Gesprächspartner nicht zuzuhören, auch wenn er direkt zu einem spricht.
    • Erklärung: Trotz Bemühungen, sich zu konzentrieren, wandern die Gedanken zu anderen Themen, während das Gehirn Reize aus der Umgebung verarbeitet.
    • Beispiele: Bitten, eine Frage während eines Gesprächs am Linzer Christkindlmarkt gleich noch einmal zu wiederholen, oder die Erkenntnis mitten im Meeting, keine Ahnung zu haben, worum es gerade ging.
  • Probleme, Anweisungen zu befolgen und Aufgaben fertigzustellen.
    • Erklärung: Die Schwierigkeit liegt nicht im Verstehen der Anweisung, sondern darin, die Motivation und Handlungsreihenfolge aufrechtzuerhalten.
    • Beispiele: Mehrere Projekte im Salzburger Home-Office gleichzeitig beginnen und keines abschließen oder eine Aufgabe zur Hälfte abbrechen, sobald eine neue, interessantere Tätigkeit auftaucht.
  • Probleme mit der Organisation von Aufgaben und Aktivitäten.
    • Erklärung: Die exekutiven Funktionen, die für Planung, Prioritätensetzung und Zeitmanagement verantwortlich sind, sind beeinträchtigt.
    • Beispiele: Chronisches Durcheinander auf dem Schreibtisch und in Computerdateien, Schwierigkeiten einzuschätzen, wie lange der Weg zur Arbeit in Wien dauern wird, häufiges Zuspätkommen zu Verabredungen.
  • Vermeiden von Aufgaben, die langandauernde geistige Anstrengung erfordern.
    • Erklärung: Das ADHS-Gehirn nimmt solche Aufgaben als physisch schmerzhaft wahr, was zu Prokrastination führt.
    • Beispiele: Die Einkommensteuererklärung für das Finanzamt, das Schreiben einer Seminararbeit für die Universität Innsbruck oder die Vorbereitung einer wichtigen Präsentation bis zur letzten Minute aufschieben.
  • Verlieren von Dingen, die für die Ausführung von Aufgaben notwendig sind.
    • Erklärung: Dies resultiert aus Problemen mit dem Arbeitsgedächtnis und einer schwachen Organisation des persönlichen Raums.
    • Beispiele: Ständige Suche nach Hausschlüsseln, Telefon, Geldbörse oder wichtigen Dokumenten wie dem Reisepass für den Urlaub in Kärnten.
  • Leichte Ablenkbarkeit durch äußere Reize.
    • Erklärung: Das ADHS-Gehirn hat Schwierigkeiten, unwichtige Informationen aus der Umgebung herauszufiltern.
    • Beispiele: Das Geräusch einer Handy-Benachrichtigung kann den Arbeitsrhythmus komplett unterbrechen, Gespräche von Kollegen im Großraumbüro verhindern die Konzentration auf die eigene Aufgabe.
  • Häufiges Vergessen alltäglicher Angelegenheiten.
    • Erklärung: Das Arbeitsgedächtnis ist überlastet, was es erschwert, vereinbarte Termine, Fristen oder Pflichten zu behalten.
    • Beispiele: Vergessen, die Miete zu überweisen, jemanden zurückzurufen, einen Arzttermin in Wien wahrzunehmen oder den Geburtstag der Schwester.

Symptome der Hyperaktivität und Impulsivität (9 Symptome)

Diese Kategorie beschreibt Schwierigkeiten mit der Impulskontrolle, das Bedürfnis nach Bewegung und innere Unruhe. Bei Erwachsenen äußert sich Hyperaktivität häufiger in mentaler als in körperlicher Form, zum Beispiel als Gedankenrasen oder Rededrang. Mehr über die Auswirkungen von innerer Unruhe auf den Körper und schnelle Hilfsstrategien erfährst du in unserem Artikel über Stress und Körper: Symptome, Ursachen und schnelle Hilfe.

  • Unruhige Hand- oder Fußbewegungen, Herumrutschen auf dem Stuhl.
    • Erklärung: Der Körper sucht nach Wegen, innere Anspannung und Erregung abzubauen.
    • Beispiele: Mit den Fingern auf den Tisch trommeln, mit einem Stift klopfen, mit dem Bein wippen während eines Vortrags im Grazer Konferenzsaal.
  • Schwierigkeiten, sitzen zu bleiben, wenn es erforderlich ist.
    • Erklärung: Lange in einer Position zu verweilen verursacht starkes Unbehagen und den Drang zur Bewegung.
    • Beispiele: Aufstehen und im Raum umhergehen während langer Besprechungen, Stehplätze in der Wiener U-Bahn bevorzugen, ständiges Wechseln der Sitzposition im Kino.
  • Gefühl innerer Unruhe, „ständig in Bewegung zu sein“.
    • Erklärung: Dies ist das mentale Gegenstück zur körperlichen Hyperaktivität – Gedankenrasen, Unfähigkeit sich zu entspannen.
    • Beispiele: Schwierigkeiten mit Meditation oder ruhiger Erholung am Wolfgangsee, das Gefühl, dass man „etwas tun muss“ selbst am freien Sonntag.
  • Übermäßige Gesprächigkeit.
    • Erklärung: Impulsivität kombiniert mit schneller Gedankenverarbeitung führt zu Problemen, den Redefluss zu kontrollieren.
    • Beispiele: Sehr schnelles Sprechen, Springen von Thema zu Thema während eines Kaffeekränzchens, Dominieren in Gesprächen mit Freunden.
  • Herausplatzen mit einer Antwort vor Ende der Frage.
    • Erklärung: Das Gehirn verarbeitet Informationen so schnell, dass es glaubt, die ganze Frage und Antwort bereits zu kennen, was das Abwarten erschwert.
    • Beispiele: Sätze für den Gesprächspartner im Salzburger Heurigen zu Ende bringen, eine Antwort auf eine Frage geben, die noch nicht vollständig gestellt wurde.
  • Schwierigkeiten, auf den eigenen Runden zu warten.
    • Erklärung: Geduld ist eine Ressource, die sich aufgrund des Bedürfnisses nach sofortiger Befriedigung schnell erschöpft.
    • Beispiele: Ungeduld in der Warteschlange vor der Kassa im Supermarkt, im Stau auf der Brenner Autobahn, während eines Gesellschaftsspiels mit der Familie.
  • Andere unterbrechen, sich in Gespräche einmischen.
    • Erklärung: Dies resultiert aus der Angst, dass ein wichtiger Gedanke verloren geht, wenn er nicht sofort ausgesprochen wird.
    • Beispiele: Der Kollegin im Büro ins Wort fallen, eigene Bemerkungen in Gespräche anderer Gäste im Tiroler Wirtshaus einwerfen.
  • Übermäßige Aktivität, Schwierigkeiten mit dem ruhigen Verbringen der Freizeit.
    • Erklärung: Das Bedürfnis nach Stimulation führt dazu, dass entspannendes Nichtstun schwer zu erreichen ist.
    • Beispiele: Viele Hobbys haben, die sich rasch ändern, jeden Tag des Urlaubs in Kärnten minutiös durchplanen, Langeweile während eines Entspannungstages verspüren.
  • Überstürzte Entscheidungen treffen ohne Berücksichtigung der Konsequenzen (Impulsivität).
    • Erklärung: Eingeschränkte Impulskontrolle führt zu Handlungen im Affekt, ohne Analyse möglicher Folgen.
    • Beispiele: Impulskäufe im Wiener Mariahilfer Straße Einkaufsbummel, plötzliche Kündigung des Jobs ohne neuen in Aussicht, riskante Investitionen tätigen, stürmische Beziehungen eingehen.

Checkliste: Welche Symptome betreffen Sie?

Schauen Sie sich die folgende Liste an und überlegen Sie, welche dieser Verhaltensweisen regelmäßig in Ihrem Leben auftreten und wirkliche Schwierigkeiten verursachen.

Checkliste der ADHS-Symptome bei Erwachsenen:

  • ✓ Häufige unachtsame Fehler
  • ✓ Probleme, die Aufmerksamkeit aufrechtzuerhalten
  • ✓ Eindruck „nicht zuzuhören“
  • ✓ Nicht fertiggestellte Aufgaben
  • ✓ Organisationsprobleme
  • ✓ Vermeidung geistiger Anstrengung
  • ✓ Verlieren von Dingen
  • ✓ Leichte Ablenkbarkeit
  • ✓ Vergessen von Pflichten
  • ✓ Herumzappeln, unruhige Bewegungen
  • ✓ Schwierigkeiten sitzen zu bleiben
  • ✓ Innere Unruhe
  • ✓ Übermäßige Gesprächigkeit
  • ✓ Antworten vor Ende der Frage
  • ✓ Ungeduld beim Warten
  • ✓ Andere unterbrechen
  • ✓ Probleme mit ruhiger Erholung
  • ✓ Impulsive Entscheidungen

Zusammenfassung: Wenn Sie regelmäßig fünf oder mehr Symptome aus einer Gruppe – oder beiden – erleben, die Ihr Leben über einen längeren Zeitraum erheblich beeinträchtigen, kann es sinnvoll sein, weitere diagnostische Schritte in Österreich in Betracht zu ziehen. Denken Sie daran, dass diese Checkliste kein diagnostisches Werkzeug ist, sondern lediglich einen Hinweis darstellt.

Wie läuft die ADHS-Diagnose bei Erwachsenen in Österreich ab – vom ASRS-Test zum DIVA-5-Interview

Der diagnostische Prozess für ADHS bei Erwachsenen in Österreich ist mehrstufig und zielt nicht nur darauf ab, Symptome zu bestätigen, sondern auch andere Störungen auszuschließen, die ähnliche Symptome verursachen können. Entscheidend ist, dass die Diagnose von einem Spezialisten mit Erfahrung in der Arbeit mit erwachsenen ADHS-Betroffenen durchgeführt wird. Wichtige Informationen zu diagnostischen Standards finden Sie in der Clinical overview of adult ADHD diagnosis and management. Für eine detaillierte Erklärung zur Interpretation von Laborwerten im Kontext von Symptomen, siehe unseren Artikel über erhöhte Basozyten: Bedeutung, gefährliche Werte und Schritte.

Schritt 1: Der eigenständige Screening-Test ASRS

Der erste Schritt, den Sie selbst durchführen können, ist die Ausfüllung der Adult ADHD Self-Report Scale, kurz ASRS. Es handelt sich hierbei um ein Screening-Instrument, das von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) entwickelt wurde und hilft abzuschätzen, ob Ihre Symptome auf ADHS hindeuten könnten. Der Test besteht aus 18 Fragen, die sich direkt auf die diagnostischen Kriterien beziehen. Bitte beachten Sie, dass der ASRS keine Diagnose darstellt, sondern lediglich ein Hilfsmittel ist, das auf die Wahrscheinlichkeit des Vorliegens der Störung hinweist. Ein Ergebnis oberhalb der Schwelle legt nahe, dass eine Konsultation mit einem Facharzt für Psychiatrie oder einem darauf spezialisierten Psychologen in Österreich sinnvoll ist.

Schritt 2: Besuch beim Spezialisten und Vorbereitung auf das DIVA-5-Interview

Eine formale ADHS-Diagnose bei Erwachsenen in Österreich kann durch einen Facharzt für Psychiatrie gestellt werden. Der diagnostische Prozess wird oft auch durch einen klinischen Psychologen unterstützt, der detaillierte Interviews und Tests durchführt. Der Goldstandard in der Diagnostik ist das strukturierte klinische Interview DIVA-5 (Diagnostic Interview for ADHD in Adults).

Um sich gut auf den Termin vorzubereiten, ist es ratsam, möglichst viele Informationen über Ihre Funktionsweise in der Kindheit – vor dem 12. Lebensjahr – zusammenzutragen, da eines der diagnostischen Kriterien das Auftreten von Symptomen bereits in dieser Zeit ist. Hilfreich können sein:

  • Dokumentation aus der Kindheit: Schulzeugnisse – besonders mit Verhaltensnoten und Anmerkungen von Lehrern –, Gutachten von psychologisch-pädagogischen Beratungsstellen oder alte Tagebücher.
  • Gespräche mit nahestehenden Personen: Eltern, ältere Geschwister oder Betreuer können sich an Verhaltensweisen und Schwierigkeiten erinnern, deren Sie sich selbst nicht bewusst sind.
  • Eigene Erinnerungen: Notieren Sie konkrete Beispiele für Schwierigkeiten beim Lernen, in den Beziehungen zu Gleichaltrigen oder bezüglich Ihres Verhaltens in der österreichischen Schule.

Schritt 3: Ablauf des diagnostischen Interviews und das weitere Vorgehen

Das DIVA-5-Interview ist ein detailliertes Gespräch, das in der Regel zwischen 1,5 und 3 Stunden dauert. Der Spezialist fragt nach konkreten Beispielen für Symptome in Kindheit und Erwachsenenalter in fünf zentralen Funktionsbereichen: Arbeit beziehungsweise Ausbildung, Partnerschaft und Familienleben, soziale Kontakte, Freizeit und Hobbys sowie Selbstbild und Selbstwertgefühl. Ziel ist es nicht nur, Symptome zu bestätigen, sondern auch zu beurteilen, wie sehr diese Ihr Leben in Österreich beeinflussen. Mehr über Diagnosestandards können Sie aus den CDC guidelines on diagnosing ADHD erfahren.

Ein wichtiges Element ist die Differentialdiagnostik, also der Ausschluss anderer Störungen, die ADHS imitieren können, wie Angststörungen, Depression, bipolare Störung oder Persönlichkeitsstörungen. Nach der vollständigen Anamnese und gegebenenfalls zusätzlichen Tests stellt der Spezialist die Diagnose und bespricht mit dem Patienten den Behandlungsplan sowie die Psychoedukation, die für das Verständnis des eigenen Zustands entscheidend ist.

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ADHS Behandlung: Pharmakologie, kognitive Verhaltenstherapie (CBT) und andere Methoden

Die Behandlung von ADHS bei Erwachsenen ist vielschichtig und muss auf die individuellen Bedürfnisse der Patientin oder des Patienten abgestimmt sein. Am wirksamsten zeigt sich eine Kombination aus medikamentöser Therapie und psychotherapeutischen Interventionen, die helfen, effektive Bewältigungsstrategien für die Symptome zu entwickeln.

Pharmakologie bei ADHS: In Österreich verfügbare Medikamente

Medikamente bilden häufig die Grundlage der ADHS-Behandlung, da sie auf die neurobiologische Basis der Störung wirken. Ihr Ziel ist die Verbesserung der Kommunikation zwischen den Nervenzellen im Gehirn durch die Regulierung der Neurotransmitterspiegel, vor allem von Dopamin und Noradrenalin. Dadurch verbessern sich bei vielen Patientinnen und Patienten Konzentration, Impulskontrolle und Organisationsfähigkeit. In Österreich stehen zwei Hauptgruppen von Arzneimitteln zur Verfügung:

  • Stimulierende Medikamente: Dazu gehört Methylphenidat. Es handelt sich um Erstlinienmedikamente mit hoher Wirksamkeit. Sie wirken relativ schnell, erfordern aber eine regelmäßige Überwachung des Gesundheitszustands, einschließlich Blutdruck und Herzfunktion (EKG).
  • Nicht-stimulierende Medikamente: Ein Hauptvertreter ist Atomoxetin. Es wirkt anders als Stimulanzien, und die volle therapeutische Wirkung tritt nach einigen Wochen der Einnahme ein. Es ist eine gute Alternative für Menschen, die Stimulanzien nicht vertragen oder Kontraindikationen für deren Einnahme haben.

Die folgende Tabelle zeigt einen Vergleich der am häufigsten verwendeten Wirkstoffe in Österreich.

Wirkstoff Beispielhafter Handelsname Medikamententyp Wirkungsdauer Hauptbemerkungen
Methylphenidat (IR) Medikinet, Ritalin Stimulierend Kurz (ca. 4h) Erfordert die Einnahme mehrerer Dosen über den Tag.
Methylphenidat (CR/XR) Concerta, Medikinet CR Stimulierend Lang (8–12h) Praktische Form mit verzögerter Freisetzung.
Atomoxetin Strattera Nicht-stimulierend Lang (24h) Volle Wirkung nach 4–6 Wochen; geringeres Missbrauchsrisiko.
Lisdexamfetamin Elvanse Stimulierend Lang (ca. 13h) Prodrug, was das Missbrauchspotenzial verringert.

*Informationen zu Medikamenten und deren Refundierung sind stets beim behandelnden Arzt und in der Apotheke zu prüfen. Die medikamentöse Behandlung muss unter strenger Aufsicht eines Psychiaters erfolgen.

Kognitive Verhaltenstherapie (CBT) bei ADHS

Die kognitive Verhaltenstherapie (CBT) ist eine der wirksamsten Formen nicht-pharmakologischer Unterstützung für Erwachsene mit ADHS. Sie behandelt nicht die biologischen Ursachen der Störung, sondern bietet konkrete Werkzeuge und Strategien, um mit deren Folgen im täglichen Leben umzugehen.

Ein CBT-Therapieprogramm für ADHS konzentriert sich auf:

  • Psychoedukation: Verstehen, wie ADHS das Gehirn und das Verhalten beeinflusst.
  • Arbeit an Exekutivfunktionen: Erlernen von Planung, Organisation, Prioritätensetzung und Zeitmanagement.
  • Umgang mit Prokrastination: Techniken zur Aufteilung von Aufgaben in kleinere Schritte und Methoden zur Aktivierung.
  • Emotionsregulation: Identifizierung und Umgang mit schwierigen Emotionen wie Frustration oder Wut.
  • Restrukturierung negativer Überzeugungen: Arbeit an niedrigem Selbstwertgefühl, das oft das Ergebnis jahrelanger Schwierigkeiten ist.

Die Therapie ist am wirksamsten, wenn sie parallel zur medikamentösen Behandlung erfolgt, da die Medikamente ein „therapeutisches Fenster“ schaffen, in dem es für den Patienten leichter ist, neue Fähigkeiten einzuführen und zu üben.

Andere Unterstützungsformen: ADHS-Coaching und Selbsthilfegruppen

Neben Medikamenten und Therapie können auch andere Hilfsformen eine wertvolle Ergänzung sein. Ein ADHS-Coach ist ein Partner, der bei der praktischen Umsetzung von Strategien, dem Aufbau von Gewohnheiten und der Erreichung konkreter Lebens- und Berufsziele hilft. Selbsthilfegruppen hingegen bieten die unschätzbare Möglichkeit, Erfahrungen mit anderen Menschen mit ADHS auszutauschen, was das Gefühl der Isolation reduziert und es ermöglicht, bewährte Methoden voneinander zu lernen. Solche Gruppen findet man beispielsweise bei österreichischen Organisationen wie der „ADHS Österreich“ Selbsthilfe.

ADHS bei erwachsenen Frauen: Wie erkennt man Maskierungssymptome?

ADHS wurde lange hauptsächlich als eine Störung angesehen, die Buben betrifft. Dies führte dazu, dass Tausende Frauen mit undiagnostiziertem ADHS leben und mit Symptomen kämpfen, die sie fälschlicherweise sich selbst oder anderen Erkrankungen wie Angst oder Depression zuschreiben. Das klinische Bild von ADHS bei Frauen ist oft subtiler und schwerer zu erkennen. Detailliert beschrieben haben wir das Phänomen der inneren Reflexion und wie es mit Persönlichkeitsmerkmalen wie Introversion zusammenhängt in unserem Leitfaden zu Introvertiert sein: Merkmale, Mythen und Strategien im Alltag.

Warum wird ADHS bei Frauen oft nicht diagnostiziert?

Die Hauptgründe sind ein unterschiedliches Erscheinungsbild der Symptome sowie das Phänomen der Maskierung.

  • Vorherrschen von Unaufmerksamkeits-Symptomen: Bei Frauen dominiert häufiger der unaufmerksame Typ („stilles“ ADHS), der nach außen weniger sichtbar ist als Hyperaktivität. Statt durch die Klasse zu rennen, träumen Mädchen oft vor sich hin, was seltener als Problem wahrgenommen wird.
  • Maskierung (Masking): Frauen entwickeln oft unter sozialem Druck und Erwartungen komplexe Kompensationsstrategien, um ihre Schwierigkeiten zu verbergen. Dazu können übermäßiger Perfektionismus, zwanghaftes Planen oder die Vermeidung sozialer Situationen, die große Anstrengung erfordern, gehören. Die Maskierung ist jedoch extrem energiezehrend und führt zu chronischer Müdigkeit und Burnout.
  • Geschlechterstereotype: Symptome wie emotionale Labilität oder Geschwätzigkeit werden oft bagatellisiert und der „weiblichen Natur“ zugeschrieben und nicht einer neuroentwicklungsbedingten Störung.

Typische ADHS-Symptome bei Frauen: Eine Fallstudie

Stellen wir uns die Geschichte von Anna vor, einer 35-jährigen Projektleiterin aus Wien. Bei der Arbeit gilt sie als Perfektionistin, die Projekte immer pünktlich abliefert. Niemand weiß, dass Anna Nächte damit verbringt, Rückstände aufzuholen, weil sie sich tagsüber im Bürotrubel nicht konzentrieren kann. Ihre Wohnung ist in ständigem Chaos, obwohl sie sich jedes Wochenende einen gründlichen Frühjahrsputz vornimmt. Sie fühlt sich von den täglichen Pflichten überwältigt, hat das Gefühl, nicht so gut zurechtzukommen wie ihre Altersgenossinnen, und ihr Selbstwertgefühl ist sehr niedrig. Sie gerät bei Kleinigkeiten oft in Wut, was ihre Beziehung zu ihrem Partner belastet. Annas Symptome wurden jahrelang als Angststörungen und Depression diagnostiziert, doch die Behandlung brachte keine Besserung. Erst die ADHS-Diagnose ermöglichte es ihr, die Quelle ihrer Probleme zu verstehen.

Bei Frauen treten ADHS-Symptome oft gemeinsam mit emotionaler Dysregulation, niedrigem Selbstwertgefühl und chronischem Unruhegefühl auf. Darüber hinaus können hormonelle Schwankungen im monatlichen Zyklus, in der Schwangerschaft oder in den Wechseljahren die ADHS-Symptome erheblich verstärken.

Anpassung von Behandlung und Therapie für Frauen

Ein Schlüsselelement der Therapie für Frauen mit ADHS ist die Aufklärung über Maskierung. Sich bewusst zu machen, wie viel Energie das Vortäuschen von „Normalität“ kostet, ist der erste Schritt zur Veränderung. Die Therapie konzentriert sich oft darauf, Perfektionismus abzulegen, ein authentisches Selbstwertgefühl aufzubauen und Durchsetzungsfähigkeit zu lernen. Es ist auch wichtig, dass der behandelnde Psychiater bei der Anpassung der medikamentösen Behandlung den Einfluss des Hormonzyklus auf die Symptomverstärkung berücksichtigt.

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Strategien für den Alltag: Umgang mit Prokrastination, Vergesslichkeit und Impulsivität bei ADHS

Eine effektive Bewältigung der ADHS-Symptome im Erwachsenenalter erfordert die Anwendung praktischer Methoden, die als „äußeres Gerüst“ für beeinträchtigte exekutive Hirnfunktionen dienen. Diese Techniken basieren auf dem Verständnis der neurobiologischen Grundlagen. Weitere Tipps zur Verbesserung der Schlafqualität, die bei ADHS-Symptomen wie Vergesslichkeit hilfreich sein kann, findest du in unserem wissenschaftlichen Leitfaden: Wie du besser schläfst.

Prokrastination: Neurobiologische Ursachen und hilfreiche Methoden

Prokrastination bei ADHS ist keine Faulheit, sondern resultiert aus Schwierigkeiten mit der Aktivierung und Dopaminregulation. Um diese Blockade zu überwinden, können folgende bewährte Techniken helfen, die viele Betroffene in Österreich erfolgreich anwenden:

  • Aufgaben in kleine Schritte teilen: Anstatt „Ich muss einen Bericht schreiben“ zu denken, teilen Sie es in Mikroaufgaben ein: „Ich öffne ein neues Dokument“, „Ich schreibe die erste Überschrift“, „Ich suche die Daten für die Tabelle“.
  • Pomodoro-Technik: Arbeiten Sie in konzentrierten Zeitblöcken (z. B. 25 Minuten), gefolgt von einer kurzen Pause (5 Minuten). Das Geräusch eines Timers hilft, die Disziplin aufrechtzuerhalten und gibt dem Gehirn ein Signal zur Entspannung.
  • „Body Doubling“: Arbeiten Sie in der Gegenwart einer anderen Person, selbst wenn diese etwas völlig anderes tut. Die bloße Anwesenheit kann motivierend wirken und dabei helfen, den Fokus beizubehalten.

Vergesslichkeit: Wie das Arbeitsgedächtnis unterstützt werden kann

Ein beeinträchtigtes Arbeitsgedächtnis bei ADHS führt dazu, dass es schwerfällt, mehrere Informationen gleichzeitig im Kopf zu behalten. Statt gegen das eigene Gehirn anzukämpfen, ist es sinnvoll, es mit externen Systemen zu unterstützen, wie sie auch in österreichischen Selbsthilfegruppen empfohlen werden.

  • Digitale Kalender und Erinnerungen nutzen: Tragen Sie jeden Termin und jede Aufgabe unmittelbar ein, sobald sie aufkommen. Richten Sie mehrfache Alarme und Benachrichtigungen ein.
  • „To-do“-Listen erstellen: Erstellen Sie täglich morgens oder abends eine Liste der Aufgaben für den folgenden Tag. Das Abhaken erledigter Punkte gibt ein Erfolgserlebnis und motiviert für weiteres Handeln.
  • Prinzip des „festen Ortes“: Bestimmen Sie einen festen Platz für die wichtigsten Gegenstände: Schlüssel, Geldbörse, Telefon. Gewöhnen Sie sich an, sie nach der Rückkehr nach Hause stets dorthin zu legen.

Impulsivität: Methoden zur Wiedererlangung der Kontrolle

Impulsivität kann zu finanziellen, sozialen und emotionalen Schwierigkeiten führen. Der Schlüssel zur Bewältigung liegt darin, einen „Puffer“ zwischen Impuls und Handlung zu schaffen, was in Österreich auch in Therapien geübt wird.

  • Bei Finanzen – die „24-Stunden“-Regel: Bevor Sie einen ungeplanten, größeren Kauf tätigen, gönnen Sie sich 24 Stunden Bedenkzeit. Oft verfliegt der Impuls nach dieser Zeit.
  • Im Gespräch – aktives Zuhören: Konzentrieren Sie sich darauf, was die andere Person sagt, anstatt darüber nachzudenken, was Sie selbst sagen möchten. Versuchen Sie, ihre Aussage mit eigenen Worten zu umschreiben, um sicherzustellen, dass Sie sie richtig verstanden haben.
  • Bei Emotionen – Achtsamkeitsübungen: Üben Sie, Ihre Emotionen zu beobachten, ohne sofort zu reagieren. Einfache Atemübungen können helfen, das Nervensystem zu beruhigen und Zeit für eine überlegtere Reaktion zu geben.

Hilfe bei ADHS in Österreich finden: Beratungsstellen, Fachleute und Organisationen

Das Finden einer geeigneten Fachkraft und einer Stelle für eine Diagnose ist ein entscheidender Schritt auf dem Weg zu einem besseren Umgang mit ADHS. In Österreich sind sowohl öffentliche als auch private Wege der Diagnostik verfügbar, wobei die Auswahl von den persönlichen Umständen abhängt.

Öffentlicher versus privater Diagnoseprozess

  • Öffentlicher Weg (über die Krankenkasse): Der Prozess beginnt mit einem Besuch bei Ihrer Hausärztin oder Ihrem Hausarzt, die bzw. der eine Überweisung an eine psychiatrische Ambulanz ausstellt. Dort kann eine Psychiaterin oder ein Psychiater den diagnostischen Prozess einleiten. Der Hauptvorteil dieses Weges sind die fehlenden Kosten, Nachteile können jedoch sehr lange Wartezeiten auf einen Termin (von mehreren Monaten bis über ein Jahr) und eine eingeschränkte Verfügbarkeit von Fachpersonen mit Erfahrung in der ADHS-Diagnostik bei Erwachsenen sein.
  • Privater Weg: Ermöglicht einen deutlich schnelleren Zugang zu Psychiaterinnen, Psychiatern und Psychologinnen, Psychologen, die auf ADHS bei Erwachsenen spezialisiert sind. Eine umfassende Diagnose mit einem DIVA-5-basierten Interview kann relativ kurzfristig vereinbart werden. Die Kosten für eine vollständige private Diagnostik in größeren Städten wie Wien oder Graz liegen typischerweise zwischen 800 € und 1.500 €. Die genauen Preise sollten jedoch stets direkt bei den Einrichtungen erfragt werden.

Liste empfehlenswerter Einrichtungen und Organisationen

In Österreich gibt es eine wachsende Zahl von Zentren und Fachleuten, die sich auf die Unterstützung von Erwachsenen mit ADHS konzentrieren. Besonders wertvolle Quellen für Wissen und Austausch sind nicht-staatliche Organisationen, die Bildungsarbeit leisten, Webinare anbieten und Selbsthilfegruppen organisieren. Viele dieser Gruppen treffen sich regelmäßig in österreichischen Städten wie Linz oder Innsbruck.

  • ADHS Österreich – Selbsthilfegruppe
  • ATTENTION – Verein zur Förderung von Menschen mit ADHS

Diese Organisationen verfügen oft über Listen empfohlener Fachpersonen in verschiedenen Regionen Österreichs.

Online-Diagnostik bei ADHS: Eine sinnvolle Option?

In den letzten Jahren hat die Online-Diagnostik an Beliebtheit gewonnen. Ihr Hauptvorteil ist die Verfügbarkeit, besonders für Menschen aus kleineren Orten in Österreich. Es sollte jedoch mit Vorsicht herangegangen werden. Eine seriöse Online-Diagnose sollte ein mehrstündiges Videogespräch umfassen, das auf dem DIVA-5-Standard basiert und von einer zertifizierten Fachperson durchgeführt wird. Angebote, die sich nur auf kurze Fragebögen stützen, sollten gemieden werden, da eine oberflächliche Diagnose zu fehlerhaften Schlussfolgerungen und unpassenden Behandlungen führen kann.

ADHS und andere Störungen: Das Zusammenvorkommen mit Depressionen, Ängsten und Abhängigkeiten

ADHS tritt nur selten alleine auf. Schätzungen zufolge leidet etwa 70–80 % der Erwachsenen mit ADHS an mindestens einer weiteren psychischen Erkrankung. Am häufigsten handelt es sich dabei um Angststörungen, Depressionen, bipolare Störungen sowie Suchterkrankungen.

Wie lassen sich ADHS-Symptome von Depressionen und Angststörungen unterscheiden?

Die Abgrenzung fällt oft schwer, weil viele Beschwerden sich überschneiden. Konzentrationsprobleme, Prokrastination oder Antriebslosigkeit können sowohl bei ADHS als auch bei Depressionen auftreten. Entscheidende Unterschiede sind:

  • Dauer: Bei ADHS sind die Probleme mit Aufmerksamkeit und Organisation chronisch und seit der Kindheit vorhanden. Bei Depressionen treten sie oft episodisch auf und hängen mit der gedrückten Stimmung zusammen.
  • Ursache: Ängste bei ADHS sind oft reaktiv – sie folgen auf die realen Konsequenzen der Symptome (z. B. Angst vor Jobverlust wegen verpasster Termine). Bei Angststörungen ist die Angst hingegen oft „frei flottierend“ und steht in keinem Verhältnis zur Situation.
  • Motivation: Eine Person mit Depressionen hat oft keine Kraft oder Freude an Aktivitäten. Eine Person mit ADHS möchte vielleicht sehr gerne etwas tun, aber ihr Gehirn kann den „Motor“ nicht starten, um zu beginnen.

Nur eine erfahrene Fachkraft – etwa ein auf ADHS spezialisierter Psychiater in einer Wiener Ambulanz – kann eine präzise Differentialdiagnose stellen. Diese ist entscheidend für die Auswahl der richtigen Behandlung.

Erhöhtes Suchtrisiko und vorbeugende Strategien

Die neurobiologische Grundlage von ADHS, die mit einem erhöhten Bedürfnis nach Stimulation und einem niedrigen Dopaminspiegel einhergeht, führt dazu, dass Betroffene ein höheres Risiko für Abhängigkeiten haben. Das betrifft psychoaktive Substanzen, aber auch Verhaltenssüchte wie Glücksspiel oder Internetsucht. Manchmal handelt es sich dabei um eine unbewusste Form der „Selbstmedikation“ der ADHS-Symptome.

Eine gute Nachricht ist, dass eine angemessene Behandlung von ADHS das Risiko für die Entwicklung von Abhängigkeiten deutlich verringern kann. Eine medikamentöse Therapie kann die Hirnfunktionen stabilisieren und das Verlangen nach äußerer Stimulation reduzieren. Eine begleitende Psychotherapie wiederum lehrt gesunde Bewältigungsstrategien für Impulsivität und starke Emotionen – ein wesentlicher Baustein der Prävention. Österreichische Selbsthilfegruppen bieten hierfür zusätzlich wichtige Unterstützung.

Abschluss

Die Diagnose von ADHS im Erwachsenenalter ist ein entscheidender Moment, der es ermöglicht, die Quelle langjähriger Schwierigkeiten zu verstehen und bewusst an einer Verbesserung der Lebensqualität zu arbeiten. Es handelt sich nicht um ein Urteil, sondern um eine Landkarte, die den Weg zu einem besseren Umgang mit den eigenen einzigartigen Ressourcen weist – wie Kreativität, unkonventionelles Denken oder die Fähigkeit, unter Druck zu handeln. Der Weg vom ersten Verdacht über einen Selbsttest bis hin zur vollständigen Diagnose mag kompliziert erscheinen, aber er ist eine Investition in das Verständnis der eigenen Person und die Rückgewinnung der Kontrolle über das eigene Leben.

Es steht ein breites Spektrum an Hilfsmitteln zur Verfügung – von der medikamentösen Therapie über die kognitive Verhaltenstherapie bis hin zu spezialisiertem Coaching und Selbsthilfegruppen wie jenen des „ADHS Österreich“ Vereins. Der wichtigste Schritt ist das Handeln und die Suche nach professioneller Unterstützung. Die Diagnose kann der Beginn eines neuen, bewussteren und erfüllenderen Lebenskapitels sein.

Artikel verfasst von der Redaktion von Gut leben. Fachliche Beratung: Dr. med. Thomas Huber, Facharzt für Psychiatrie.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Was sind die ersten Schritte, wenn ich bei mir selbst ADHS vermute?
Ein erster Anhaltspunkt kann ein sogenannter ASRS-Vorscreening-Test sein, den Sie online finden. Zeigt das Ergebnis eine hohe ADHS-Wahrscheinlichkeit an, ist der nächste Schritt die Vereinbarung eines Termins bei einem Facharzt für Psychiatrie oder einem diagnostizierenden Psychologen. Dieser führt ein vollständiges diagnostisches Gespräch, meist unter Verwendung des DIVA-5-Instruments.

Muss man ADHS-Medikamente lebenslang einnehmen?
Nicht unbedingt. Die Entscheidung über die Behandlungsdauer trifft man gemeinsam mit dem behandelnden Psychiater individuell. Für viele Betroffene stellt die medikamentöse Therapie eine wichtige Unterstützung dar. Durch begleitende Psychotherapie und die Entwicklung von Bewältigungsstrategien kann die Dosierung bei manchen später reduziert oder die Medikation unter fachärztlicher Kontrolle ganz abgesetzt werden.

Welche Hauptunterschiede gibt es bei ADHS-Symptomen zwischen Frauen und Männern?
Bei Männern treten oft die Symptome der Hyperaktivität und Impulsivität deutlicher hervor. Bei Frauen zeigt sich hingegen häufiger der unaufmerksame Subtyp, wobei die Symptome durch Kompensationsmechanismen – sogenanntes Masking – verdeckt werden können. Das führt in Österreich häufig zu späteren Diagnosen und einer Verwechslung mit Angststörungen oder Depressionen.

Kann ADHS bei Erwachsenen „geheilt“ werden?
ADHS ist eine angeborene, neurobiologische Störung, die nicht „geheilt“ werden kann. Das Ziel der Behandlung ist ein effektives Management der Symptome, um deren negative Auswirkungen auf das Alltagsleben zu minimieren. Mit der passenden Therapie, Medikation und individuellen Strategien können Erwachsene mit ADHS in Österreich jedoch ein sehr erfülltes und erfolgreiches Leben führen.

Wo kann man sich in Österreich diagnostizieren lassen und welche Kosten fallen an?
Eine Diagnose können Sie im öffentlichen Gesundheitssystem, etwa in psychiatrischen Ambulanzen, erhalten – hier sind jedoch oft lange Wartezeiten üblich. Die Alternative ist eine privatärztliche Diagnose. Die Kosten für eine umfassende private Diagnostik, inklusive DIVA-5-Interview, liegen typischerweise zwischen 600 und 1.200 Euro, abhängig vom Standort und der Expertise des Spezialisten. Es empfiehlt sich, gezielt nach Einrichtungen zu suchen, die auf Erwachsenen-ADHS spezialisiert sind, wie etwa das Ambulatorium der Sigmund Freud Privatuniversität Wien.

Autoritative Quellen

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